Syringomyelie
Mein langer Weg
Es wird in den folgenden Jahren noch mehrfach Situationen für mich geben, wo ich aufgeben möchte. Der Gedanke an Heinrich hat mir aber jedesmal den Willen und die Fähigkeit zurück gebracht, weiter zu kämpfen.
Die Ärzte in diesem Krankenhaus sind sehr bemüht. Es werden viele Untersuchungen vorgenommen.
Morgen soll wieder eine Myololgraphie gemacht werden. Der Arzt erklärt mir: "Das ist eine Röntgendarstellung des Wirbelkanals, dazu müssen wir Ihnen ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal spritzen, das geschieht indem wir sie im Lendenwirbelbereich punktieren."
"Ja das kenne ich. Diese schmerzhafte Prozedur musste ich schon einmal ertragen." Ich erinnere mich mit Schrecken an die schmerzhaften Erfahrungen in Oldenburg und teile sie dem Arzt mit.
"Sie brauchen keine Angst zu haben. Das geht mittlerweile ohne größere Schmerzen. Sie müssen auch nicht mehr 24 Stunden liegen. Sechs Stunden reichen. In der Zeit hat sich das Kontrastmittel, das wir spritzen, von selbst wieder aufgelöst."
Ich bin einigermaßen beruhigt, sehe der kommenden Untersuchung aber doch mit ängstlichen Gefühlen entgegen.
Meine Befürchtungen sind unnötig. Der Arzt ist sehr geschickt und einfühlsam. Die Punktion verläuft wirklich fast schmerzfrei. Kein Vergleich mit Oldenburg.
Der Aufenthalt in dieser Klinik dauert zehn Tage. Einen Tag vor der Entlassung werden meine Ehefrau und ich zu einem Gespräch bei Chefarzt Priv.Doz. Dr. Hiller gebeten.
"Frau Binnewitt," Herr Dr. Hiller spricht meine Frau an, "es gibt Krankheiten, da kennen wir die Ursache nicht und da kennen wir auch nicht den Verlauf. Bei ihrem Mann scheint ein solcher Fall vorzuliegen. Wir müssen leider davon ausgehen, dass das Fortschreiten des Muskelschwundes nicht aufzuhalten ist. Vermutlich wird er sogar an Tempo zunehmen. Versuchen sie in den nächsten zwei bis drei Jahren, das Beste daraus zu machen und gönnen sie sich die Dinge, die sie noch machen möchten. Machen sie das Beste daraus", sagt er beim Abschied zu uns und nickt mir freundlich zu. Ich sehe aber nur den Ernst in seinen Augen.
Leise sagt er zu meiner Frau: "Finden sie sich damit ab, in zwei Jahren sind sie Witwe!"
Innerhalb weniger Wochen bin ich nun von einem Simulanten, der nur die Arbeit scheut, zu einem Todeskandidaten geworden.
Meine Frau lässt sich nicht erschüttern.
"Die Ärztin in Göttingen hatte keine Ahnung, diesem Doktor glaube ich auch nicht. Wir werden das schon schaffen, und irgendwann findest du auch einen Arzt, der dir weiter helfen kann."